Archiv-Ratgeber

Private Video-DVD sichern: VIDEO_TS und VOB erhalten

Eine selbst erstellte Familien-DVD enthält oft einen VIDEO_TS-Ordner mit vielen Dateien. Kopieren Sie zuerst die vollständige Struktur unverändert auf Ihren Computer. Prüfen Sie die Wiedergabe ohne eingelegte DVD. Eine MP4-Datei für Handy oder Fernseher erstellen Sie erst danach als zusätzliche Nutzungskopie.

Redaktion: Erinnerungsretter · Projekt und Redaktion · Verantwortlicher · aktualisiert

Was bedeuten VIDEO_TS, VOB, IFO und BUP?

Der VIDEO_TS-Ordner bündelt die zusammengehörenden Dateien einer Video-DVD:

  • VOB: Enthält unter anderem Bild, Ton und gegebenenfalls Untertitel. Ein Film kann sich über mehrere VOB-Dateien verteilen. Eine einzelne Datei kann auch zu einem Menü gehören.
  • IFO: Enthält Steuerungs- und Navigationsinformationen für die Wiedergabe.
  • BUP: Ist eine Sicherung der zugehörigen IFO-Informationen.

Deshalb sollten Sie weder nur die größte VOB-Datei auswählen noch kleine IFO- und BUP-Dateien als vermeintlich überflüssig entfernen. Bewahren Sie Namen, Dateien und Ordner zusammen auf. Die Struktur erläutert der für die Library of Congress erstellte Bericht Preserving Write-Once DVDs, Anhang G, Seite 50.

Für welche DVDs gilt diese Anleitung?

Für Ihre eigenen, unverschlüsselten und ungeschützten Aufnahmen, die Sie kopieren dürfen, etwa eine selbst erstellte Video-DVD mit Familienfilmen. Wenn Kopierschutz, Verschlüsselung oder unklare Rechte ins Spiel kommen, stoppen Sie diesen Ablauf. Diese Anleitung enthält keine Schritte zum Umgehen eines Schutzes.

Eine Daten-DVD mit einzelnen MP4-, AVI- oder MOV-Dateien braucht nicht den VIDEO_TS-Weg. Dafür reicht zunächst das kontrollierte Kopieren von Dateien und Ordnern. Discs mit einer anderen Struktur, etwa DVD_RTAV oder BDMV, sind ebenfalls nicht der hier beschriebene DVD-Video-Fall.

Das kleine IFO gehört zum großen VOB

DVD-02_Familienfilm_Original/

└─ VIDEO_TS/

  • VIDEO_TS.IFO Informationen zur Disc
  • VIDEO_TS.BUP Sicherung dieser Informationen
  • VTS_01_0.IFO Informationen zum Titelbereich
  • VTS_01_0.BUP Zugehörige Sicherung
  • VTS_01_1.VOB Erster Teil des Beispielvideos
  • VTS_01_2.VOB Weiterer Teil, falls vorhanden
Vereinfachtes Dateibeispiel. Ihre DVD kann mehr Dateien enthalten; übernehmen Sie die vorhandene Struktur vollständig.

Ein Ordner mit nur einer großen VOB-Datei ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einer vollständigen DVD-Sicherung. Zusätzliche Titel, Menüs, Kapitel und Tonspuren werden bei der Wiedergabe separat geprüft. Für das Vergleichen einzelner großer Dateien gibt es auf der Sicherheitsseite auch einen PowerShell-Weg ohne Upload.

1. Pro DVD einen eigenen Sicherungsordner anlegen

Notieren Sie Beschriftung, vermutetes Jahr und Anlass. Legen Sie auf Ihrem Computer beispielsweise den Ordner „DVD-02_Familienfilm_Original“ an. Jede weitere Disc bekommt einen eigenen Ordner. Sonst könnten gleichnamige Dateien verschiedener DVDs zusammengeführt oder überschrieben werden.

Sie brauchen ein Laufwerk, das DVDs lesen kann, und ausreichend freien Speicher für den vollständigen Inhalt sowie eine spätere zusätzliche Sicherung. Kontrollieren Sie die Disc vor dem Einlegen. Bei Rissen, Verformungen oder abgelösten Schichten verzichten Sie auf weitere Laufwerksversuche.

2. Den gesamten Disc-Inhalt unverändert kopieren

  1. Öffnen Sie die DVD im Windows-Datei-Explorer oder im Finder am Mac. Starten Sie keine alte Zusatzsoftware von der Disc.
  2. Kopieren Sie die vorhandenen Ordner und Dateien in den vorbereiteten Sicherungsordner. VIDEO_TS muss vollständig mit allen darin enthaltenen Dateien übernommen werden. Ein vorhandener AUDIO_TS-Ordner und weitere Dateien bleiben ebenfalls erhalten.
  3. Ändern Sie innerhalb der Kopie keine Dateinamen und verschieben Sie keine VOB-Dateien aus ihrer Struktur.
  4. Halten Sie Fehlermeldungen und ausgelassene Dateien fest. Ein abgebrochener Kopiervorgang ist keine vollständige Sicherung.
  5. Vergleichen Sie, soweit möglich, Dateianzahl und Dateigrößen von Quelle und Kopie. Werfen Sie danach die DVD aus.

Das reine Kopieren verändert die Videokompression nicht. Es erhält jedoch nur die Dateien, die tatsächlich fehlerfrei gelesen wurden. Eine Ordnerkopie ist außerdem kein vollständiges sektorweises Abbild des Datenträgers. Für den hier beschriebenen einfachen Sicherungsweg ist die vollständig erhaltene, anschließend geprüfte DVD-Dateistruktur entscheidend.

Wenn bereits der Lesevorgang scheitert, gehen Sie zur Fehlereinordnung für alte CDs und DVDs. Formatieren, nachträgliches Beschreiben und endlos wiederholte Leseversuche gehören nicht zu diesem Ablauf.

3. Die Kopie ohne DVD abspielen

Verwenden Sie einen DVD-fähigen Player wie VLC von der offiziellen VideoLAN-Seite. Die DVD bleibt ausgeworfen. So sehen Sie, ob wirklich die Dateien auf Ihrem Computer abgespielt werden.

Unter Windows öffnen Sie in VLC über „Medien → Ordner öffnen“ den kopierten VIDEO_TS-Ordner. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Betriebssystem und Sprachversion. In den DVD-Öffnungsoptionen lässt sich außerdem ein Speicherort über „Durchsuchen“ auswählen. Prüfen Sie dabei, dass der Pfad auf Ihre lokale Kopie zeigt. VLC: Ordner, Titel und Kapitel öffnen und VLC: Datenträger-Öffnungsdialog.

Prüfen Sie nicht nur die erste Szene:

  • Öffnet sich ein vorhandenes Menü und lassen sich die erwarteten Filme auswählen?
  • Sind alle wichtigen Titel enthalten, auch kurze Aufnahmen neben dem Hauptfilm?
  • Stimmen Reihenfolge und angezeigte Laufzeiten ungefähr mit Ihren Erwartungen überein?
  • Spielen Anfang, Mitte und Ende mit hörbarem, zum Bild passendem Ton?
  • Funktionieren wichtige Kapitel und vorhandene weitere Tonspuren oder Untertitel?

Notieren Sie etwa „DVD-02, Titel 3, bei 12:40 Tonaussetzer“. Wenn Sie allein auf Stichproben angewiesen sind, halten Sie das ebenfalls fest. Eine kurze Abspielprobe ist kein Beweis dafür, dass jede Stelle fehlerfrei ist. Besonders wichtige Aufnahmen sollten Sie vollständig ansehen.

Sichern Sie den geprüften Originalordner anschließend auf einem zweiten, getrennten Speicher. Behalten Sie die Disc zunächst ebenfalls. Eine später erzeugte MP4-Datei ist kein Anlass, die ursprüngliche Struktur zu löschen.

4. Optional eine MP4-Nutzungskopie mit HandBrake erstellen

Wenn Sie die Filme bequem auf anderen Geräten abspielen möchten, können Sie zusätzlich eine MP4-Datei erzeugen. HandBrake unterstützt DVD-Quellen und kopierte VIDEO_TS-Strukturen. Es umgeht keinen Kopierschutz und verarbeitet keine DRM-geschützten Quellen. Die Entwickler empfehlen meist, die Disc-Inhalte zuerst auf die Festplatte zu kopieren. HandBrake: Unterstützte Quellformate.

Wichtig: HandBrake kodiert das Video neu. Ein MP4-Export mit den üblichen Einstellungen ist eine verlustbehaftete Nutzungskopie; die vollständige DVD-Struktur mit Menüführung wird dadurch nicht ersetzt. HandBrake: Funktionsumfang und Grenzen.

Ein überschaubarer erster Test

  1. Laden Sie HandBrake nur über die offizielle HandBrake-Website. Öffnen Sie über „Open Source“ beziehungsweise „Quelle öffnen“ Ihre bereits geprüfte DVD-Kopie, statt eine einzelne VOB-Datei herauszugreifen.
  2. Warten Sie den Scan ab. Kontrollieren Sie im Feld „Title/Titel“, welche Aufnahme ausgewählt ist. Bei mehreren Familienfilmen planen Sie je benötigtem Titel einen eigenen Export; der längste Titel enthält nicht zwangsläufig alles. HandBrake: Quelle und Titel auswählen.
  3. Wählen Sie für einen ersten H.264-MP4-Test ein passendes Standardprofil: Bei 576-Zeilen-Material mit 25 Bildern pro Sekunde kommt „Fast 576p25“ infrage; bei 480-Zeilen-Material mit ungefähr 30 Bildern pro Sekunde „Fast 480p30“. Diese Beispiele gelten nur, wenn sie zur erkannten Quelle passen. Ein Profilname beschreibt Grenzen und Voreinstellungen, keine Qualitätsgarantie. Profile können die Bildrate begrenzen und Ton auf Stereo reduzieren. Für Halbbildmaterial oder weitere Tonspuren müssen Sie die Einstellungen gesondert prüfen. HandBrake: Offizielle Profile.
  4. Kontrollieren Sie Bildausschnitt, Seitenverhältnis und die gewählte Tonspur. Besonders automatische Beschnitte können wichtige Bildränder entfernen. Bei zusätzlichen Sprachen oder Untertiteln prüfen Sie deren Auswahl ausdrücklich.
  5. Erstellen Sie über „Preview/Vorschau“ einen kurzen Test mit Bewegung und hörbarem Ton. Prüfen Sie, ob das Bild verzerrt wirkt, Ränder fehlen, Bewegungen ruckeln oder kammartige Linien sichtbar sind. Ändern Sie nicht wahllos mehrere Einstellungen gleichzeitig. HandBrake: Vorschau testen.
  6. Speichern Sie das Ergebnis in einen separaten Ordner, etwa „DVD-02_Familienfilm_MP4“. Lassen Sie den Originalordner unberührt.

Für den Software-Encoder x264 nennt die HandBrake-Dokumentation RF 18–22 als Ausgangsbereich für Standardauflösung. Das ist eine Orientierung für Tests; derselbe Zahlenwert ist zwischen verschiedenen Encodern nicht direkt vergleichbar. Eine höhere Dateigröße macht aus DVD-Material keine echte HD-Aufnahme. HandBrake: Qualität einstellen.

5. Auch die MP4-Dateien prüfen

Öffnen Sie jeden fertigen Export im vorgesehenen Abspielgerät oder dessen Software. Vergleichen Sie Inhalt und Laufzeit mit dem ausgewählten DVD-Titel. Kontrollieren Sie Anfang, Mitte, Ende und auffällige Übergänge auf Bild- und Tonfehler. Eine Meldung wie „Encoding finished“ allein bestätigt nicht, dass die richtige Aufnahme und alle gewünschten Tonspuren enthalten sind.

Dokumentieren Sie, welcher Export zu welchem Titel gehört. Wenn sich etwas ändern soll, erzeugen Sie eine neue Nutzungskopie aus dem unveränderten Sicherungsordner. Vermeiden Sie wiederholte Konvertierungen bereits komprimierter MP4-Exporte.

Häufige Stolperstellen

Eine einzelne VOB-Datei zeigt nur einen Teil des Films. Öffnen Sie die vollständige DVD-Struktur und wählen Sie den gewünschten Titel. Eine Dateigrenze muss keine Filmgrenze sein.

Es gibt Ton, aber die Aufnahme scheint unvollständig. Prüfen Sie weitere Titel und Kapitel. Wurde nur ein Titel exportiert, können andere Aufnahmen der Disc noch fehlen.

HandBrake findet keine verwendbare Quelle. Prüfen Sie zuerst die unveränderte Kopie im DVD-Player und kontrollieren Sie auf Kopierfehler. Die Dokumentation nennt auch fehlerhaft erstellte Recorder-DVDs als möglichen Sonderfall. Bei geschützten Quellen endet diese Anleitung; sie ist kein Anlass, Schutzmechanismen zu umgehen.

Die MP4 sieht schlechter aus oder ruckelt. Vergleichen Sie sie mit derselben Stelle der Originalkopie. Prüfen Sie Profil, Bildausschnitt, Seitenverhältnis, Bildrate und bei Halbbildmaterial die Filtereinstellungen. Die unveränderte Kopie bleibt Ihr Ausgangspunkt.

Was Erinnerungsretter derzeit anbietet

Video-DVDs und Videokonvertierung sind kein pauschal zugesagter Standardservice. Solche Datenträger müssen vorher beschrieben und individuell geklärt werden. Der Leistungsüberblick grenzt normale Daten-CDs und Daten-DVDs von diesen Sonderfällen ab.

Erinnerungsretter befindet sich in der Pilotphase. Eine unverbindliche Anfrage und ein kostenloses Interessentenkonto sind möglich. Standard-Daten-CDs und Daten-DVDs können Sie im Kundenkonto bestellen und bezahlen. Spezialformate klären Sie bitte vorher. Standard-Daten-DVDs bitte erst nach bestätigter Zahlung einsenden; Video-DVDs vorher anfragen. Für eine erste Anfrage genügen Art und Anzahl der Datenträger sowie beobachtete Probleme, ohne private Filmdateien oder Passwörter. Hinweise dazu stehen unter Datenschutz und Sicherheit.

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